Dienstag, 1. August 2017

Sendepause

Liebe Leser, wie im letzten Jahr möchte ich den Monat August virtuell ruhiger angehen. Das heißt, dass ich mich ab heute für mindestens* 31 Tage aus Facebook, XING, Twitter & Co. verabschiede. Es gibt auch Leben außerhalb dieser Netzwerke und das möchte ich bewusst genießen. Die imaginäre Scheinwelt, bestehend aus Videos, Fotos, Postings und Kommentaren, gibt mir zwar das Gefühl, überall dabei zu sein, aber will ich das wirklich? Ist es für mich lebensnotwendig zu wissen, wie die Pizza aussah, die A gegessen, warum B ihren Freund verlassen oder dass C auf dem Klo die Idee für einen Bestseller hat? 


Niedliche Katzenfotos- und Videos zaubern mir kurzzeitig ein Lächeln ins Gesicht, sind aber genauso schnell wieder vergessen oder werden von Schockfotos zum Thema Massentierhaltung verdrängt. Meine eigenen Katzen schnurren, wenn ich sie in den Arm nehme und streichele. Sie wärmen mein Herz und wir tun uns gegenseitig gut mit unserer Liebe. 


Der heutige Tag wird in der Schweiz Bundesfeiertag genannt und beginnt in vielen Orten bereits am Vorabend mit Musik, Tanz und Feuerwerk. Am vergangenen Wochenende hatten wir zwar kein Feuerwerk, aber ebenfalls ein sehr schönes Fest, mit viel Sonne, lieben Menschen und sieben Hunden. Das sind Erlebnisse, die im Herzen bleiben. Oder das Baden in der Donau, der Duft der Hecke von Nachbars Garten, ein Spielabend mit lieben Freunden. 

Vielleicht werdet Ihr auch im August hier im Blog den einen oder anderen Beitrag von mir lesen können. Denn schreiben ist mir ein Bedürfnis, darauf freue ich mich. 

Genießt den Sommer und das Leben! 
Liebe Grüße
Eure Jo


*mindestens 31 heißt, dass mit die virtuelle Auszeit 2016 so gut gefiel, dass ich freiwillig bis Mitte September verlängerte. Lassen wir uns überraschen, wie es 2017 wird.

Montag, 24. Juli 2017

Ich mag es nicht mehr hören / lesen

"Wann wird es mal wieder richtig Sommer?" 
"Schon wieder Regen."
"Es ist zu heiß / kalt / nass / trocken für die Jahreszeit." (Eins davon passt immer.)
"DAS ist der Klimawandel."
"Wir werden alle sterben." 
Regenbogen überm Nachbarhaus

Zumindest der letzte Satz stimmt. Aber ansonsten beruhigt Euch, der Rest ist nur Wetter. Das gab es schon, bevor wir auf die Welt kamen und auch, als wir kleine Kinder waren. Und zwar ziemlich genau so wie jetzt. Ich erinnere mich an krachende Gewitter, einen vom Regen vollgelaufenen Keller, aber auch an vor Trockenheit betonharte Gartenerde zu Zeiten, als das Wort Klimawandel noch nicht wie ein böser Geist herbeibeschworen wurde, kaum dass aus dem Hoch- ein Tiefdruckgebiet wurde oder umgekehrt. 
"Der Sommer ist in Deutschland die regenreichste Jahreszeit". Das lernten wir schon in der Schule. Ich weiß das noch, der Sommer ebenso, aber außer uns beiden anscheinend kaum jemand. 


Niedrigwasser in der Donau. Die Blumen blühen trotzdem.

Vielleicht hat dieses permanente übers-Wetter-Jammern aber auch andere, tiefere Ursachen. Wir leben in einer Zeit, in der wir fast alle Bereiche unseres Lebens beeinflussen und beherrschen. Mit dem Terminkalender zerhacken wir unsere Lebenszeit in überschaubare, planbare Stückchen. Schule, Job, Freizeitverein, Date mit der Freundin, alles zu seiner Zeit. Wir haben die Sachen im Griff, auch wenn es manchmal eng wird. Keine Zeit mehr übrig für den Einkauf? Kein Problem. Was wir heute online bestellen, bringt uns  morgen schon der Paketbote an die Tür. Filme, die wir schauen möchten, Bücher, die wir lesen wollen, das neueste Album der Lieblingsband ... alles per Knopfdruck sofort online verfügbar. Wir fühlen uns wie die Herrscher in unserer kleinen Welt. 

Doch dann ... macht das Wetter uns einen Strich durch die Rechnung. Das Blumenbouquet im Expresspaket wurde vor der Haustür der Freundin von der Sonne zum Trockenstrauß geröstet. Der spannende Film lässt sich nicht laden, weil eine Regenfront die Verbindung zum Satelliten blockiert. Und die seit Wochen geplante Kanutour auf der Donau fällt buchstäblich ins Niedrigwasser. Diese Ohnmacht, einen Bereich unseres Lebens nicht zu beherrschen, macht uns wütend. Warum versuchen wir nicht, das Beste daraus zu machen? Es regnet? Super, der Garten ist schon mal gegossen! Blitze zucken am Himmel? Wer es schafft, einen davon mit dem Smartphone auf einem Foto festzuhalten, bekommt ein Eis. Der Keller ist tatsächlich voll Wasser gelaufen? Zeit, dort unten endlich mal aufzuräumen und auszumisten. Wertvolle Besitztümer wie Bücher, Gemälde o.ä. gehören meiner Meinung nach sowieso nie, nie, nie in den Keller. Meine Oma lagerte dort früher Kartoffeln und Eingewecktes. Wir sammeln heute in unseren Kellern die Fehl- und Frustkäufe der Vergangenheit, in der Hoffnung, dass wir sie eines Tages hervorholen und einer sinnvollen Verwendung zuführen können. Oder die Erinnerungen an längst vergangene Zeiten. Nicht gut genug, sie tagtäglich im Blick haben zu wollen. Nicht schlecht genug, sie auf den Müll zu werfen. Wenn das Wetter uns diese jahrelang aufgeschobene Entscheidung abnimmt, sollten wir ihm nicht zürnen, sondern dankbar sein. 

Natürlich gibt es auch in unserem Land Naturkatastrophen wie die Oderflut vor 20 Jahren oder den Tornado über Bützow im Frühjahr 2015. Die Ursachen hierfür sind zumindest zum Teil menschengemacht, z.B. wenn Flüsse begradigt wurden. Das Wetter können wir (noch) nicht oder fast nicht beeinflussen. Das sollte uns mit Dankbarkeit und Glück, statt mit Frust erfüllen. Nicht auszudenken, wenn auch  in diesem Bereich unseres Lebens der "freie Markt" regieren würde. 

P.S. Mit Gummistiefeln durch Pfützen patschen hilft gegen Regenfrust. Garantiert! 

Dienstag, 14. März 2017

Für Euch: Meine neue Website

In den letzten Wochen habe ich gebastelt, geschliffen und ausprobiert. Nun ist sie vorzeigbar, meine neue Website. Dort erfahrt Ihr Neuigkeiten aus der Schreibstube, private Details aus dem Leben einer Schriftstellerin, findet Links zu meinen neuesten Blogbeiträgen und könnt meine Taschenbücher, auf Wunsch sogar handsigniert, in meinem Online-Shop kaufen. 

Damit Euch das Anschauen und Stöbern noch mehr Spaß macht, gibt es zum Kennenlernen ein Gewinnspiel, bei dem ich tolle Preise verlose. Folgt der Fährte Rikas, der Mörder jagenden Schnüffelnase und beweist, dass Ihr ebenso gute Spurensucher seid wie sie. 
Viel Spaß und viel Glück wünschen Rika und Jo.



Mittwoch, 8. März 2017

Zeichen deuten

Am Montagabend hatte Kater Frodo es sich auf seinem Lieblingsplatz gemütlich gemacht. Der befindet sich hoch oben auf dem Kleiderschrank, auf einem textilbespannten Reise-Trolly. Über das Bücherregal ist dieser, in Katers Augen sichere, Rückzugsort mit zwei Sprüngen erreichbar. Ich hatte es mir mit einem guten Buch im Bett gemütlich gemacht, als der Kater plötzlich seinen Platz verließ und zur falschen Seite hinabsprang. Er landete mitten im Schlafzimmer und hüpfte von dort direkt auf mein Bett. Das darf er nicht und das tut er sonst auch nicht. Also geleitete ich ihn mit ein paar liebevollen Worten aus dem Zimmer und las weiter. 

Plötzlich hörte ich ein seltsames Geräusch, als wenn unten jemand an der Haustür rüttelte. Lauschte. Nichts. Ging zum Fenster und schaute hinaus. Niemand zu sehen. Also las ich weiter. Aber irgendwie war die Ruhe weg. Nach einer Viertelstunde legte ich das Buch beiseite und nahm das Handy. 

Es war jetzt 21:30 Uhr. Eilmeldung, las ich. Und dass es um 21:14 Uhr in der Schweiz 🇨🇭 eines der stärksten Erdbeben der letzten zwölf Jahre gegeben hätte, dessen Wirkung in Süddeutschland bis nach Stuttgart zu spüren gewesen sei. 

Nun wusste ich, was den Kater von seinem Ruheplatz vertrieben hatte und auch, woher das Rütteln an der Haustür kam. Hat von meinen Schweizer und süddeutschen Lesern jemand ebenfalls etwas von dem Beben bemerkt? 




Freitag, 10. Februar 2017

Offline ist das neue Freisein

In unserem Haus gibt es eine interessante Installation: Eine separate, zeitgesteuerte Sicherung, an der die Stromversorgung für WLAN-Router und damit verbundene Geräte hängt. Ergebnis: jede Nacht sind wir fünf Stunden absolut offline. Anfangs erschien mir diese Schaltung wie eine Beschneidung meiner Freiheit. Was, wenn ich mitten in der Nacht etwas googeln möchte? Oder jemandem eine E-Mail schreiben? Das wäre kein Problem, erklärte mein Liebster, die Sicherung lasse sich manuell mit einem einfachen Knopfdruck wieder einschalten. 

Ich bin kein virtueller Mülleimer!
Inzwischen nutze ich diesen Knopf regelmäßig, allerdings in umgekehrter Richtung. Spätestens morgens um 9 Uhr, wenn meine Schreibzeit beginnt, gehe ich offline. Da wir hier in unserem Tal kein Handynetz haben, bin ich dann nur noch für Festnetztelefon, Postboten und Brieftauben erreichbar. Ein herrliches Gefühl! Die Gedanken bleiben dort, wo sie sein sollen - bei mir. Einzig mein Willen und meine Phantasie schicken sie auf die Reise, wohin ich möchte oder wohin ich mich treiben lasse. Unbeeinflusst von Werbung für Appartements in Toulouse oder skandinavische Winterleggings, in denen jede Frau einen Nilpferdpopo hat. Fotos vom Mittagessen virtueller Freunde erzeugen bei mir kein Hungergefühl ,und es bedarf keiner Schockbilder extremer Tierschützer, um dieses wieder zu vertreiben. Kein doppeltes blaues Häkchen suggeriert meinen Whatsapp-Kontakten, dass ich ihre Nachricht erhalten und gelesen habe, aber anscheinend zu beschäftigt, arrogant oder sauer bin, um darauf zu antworten. Und dann diese Filmchen! Lustige Tiervideos, grellbunte Naturbilder mit motivierenden Gedanken oder Sketche a la Ladykracher gehören noch zur harmlosen Sorte. Live Aufnahmen, z.B. aus der Helmkamera eines Motorradfahrers, der einen schweren Unfall hat, oder Schlimmeres will ich gar nicht sehen. Wenn ich mir vorstelle, dass in meinem Kopf genau 100 winzige Männchen die Gedanken hin und her schieben, in klemmenden Schubladen nach Erinnerungen kramen, diese mit meinen Erfahrungen und Gefühlen verknüpfen und daraus Geschichten weben ... dann ist es doch eine unglaubliche Verschwendung von Ressourcen, wenn 20, 30, 50 oder mehr von ihnen, anstatt kreativ zu sein, als Müllmänner agieren müssen. Mit großen Besen fegen sie die Horrorbilder aus meinen Gehirnwindungen, gleich mehrere von ihnen versuchen verzweifelt, die aufspringenden Schubladen meines Gedächtnisses zu schließen, in die sich gruselige Zitate despotischer Präsidenten, Werbung für das neueste Buch eines meiner 257 Autorenkollegen oder einhunderttausend niedlicher Katzenbilchen und -Videos quetschen wollen. 

Aber wenn es stimmt?! 
Die unsäglichen Kettenbriefe meiner Kindheit wurden dank Social Media wiederbelebt und werden meiner Erfahrung nach zu 99 % von Frauen über 40 weitergeleitet. »Wenn Du diese Nachricht nicht sofort an mindestens sieben Freunde weiter sendest, die genau so doof sind wie Du, wird sich entweder das Internet selbst zerstören oder Du darfst nie wieder Schokolade essen. Das stand sogar im Fernsehen!« Anfangs habe ich noch freundlich nachgefragt, warum mir A solchen Text schickte, nur um zu erfahren, dass sie ihn von B bekam, die es wissen müsse, schließlich habe diese die Nachricht von C bekommen. Muss ich erwähnen, dass natürlich B, C, D usw. mir alle denselben Text schickten? Sicher ist sicher, vielleicht stimmt es ja doch. Das mit dem Internet oder mit der Schokolade. Nicht auszudenken - daran will nun wirklich niemand schuld sein. 

Man liked mich, also bin ich
Das Buhlen um Like-Daumen und Gefällt-mir-Angaben ist ein weiteres Phänomen und ich gebe zu, auch ich verfalle ihm von Zeit zu Zeit. Das überaus gelungene Naturfoto aus unsrem Tal, eine sehr witzige Begebenheit mit meinen Tieren oder eine Video-Botschaft, die mein Herz sooo berührt hat - all das sind Erlebnisse, die Emotionen in mir auslösen, so groß, dass ich sie hinausschreien, mit anderen teilen möchte. Schmälert es den Wert dieser Erlebnisse für mich, wenn nur eine Handvoll Leute auf Facebook »gefällt mir« drücken? Oder wird der besondere Augenblick noch besonderer, wenn hunderte Menschen ihn »liken«? Oder ist das Außergewöhnliche gerade deshalb so einzigartig, weil es mir allein gehört und ich diesen Moment nur mit ganz wenigen Menschen teile? Lob hat mich schon immer beflügelt. Es streichelt die Seele, gibt mir das Gefühl, ein guter, liebenswerter, wertvoller Mensch zu sein, der gerade etwas ziemlich richtig gemacht hat. Wenn ich mit mir selbst im Reinen bin, weiß ich, dass ich wertvoll bin, gute Dinge tue. Braucht es dann wirklich noch die »gefällt-mir-Daumen« von Max Mustermann und Olga Ohnemuster, denen ich beiden noch nie persönlich begegnet bin, um mich auch nur ein bisschen besser zu fühlen?  

Es gab schon immer Alternativen
Kritiker werden sagen: Aber du vereinsamst doch, wenn du dich jetzt auch noch aus der virtuellen Welt zurückziehst! Vielleicht möchte ich einfach Alternativen suchen? Ich habe die erste Hälfte meines bisherigen Lebens offline verbracht und hatte keinen Grund, deswegen unglücklich zu sein. Statt auf Facebook durch Dutzende für mich uninteressante Beiträge zu scrollen, bis ich Susis tolles Foto entdecke und auf »gefällt mir« klicken kann, sage ich ihr lieber, wenn wir uns das nächste Mal sehen: »Du siehst toll aus heute.« Und statt zwanzig Nachrichten a la »Dieser niedliche Delphin wünscht dir einen schönen Mittwoch«, zu beantworten, schreibe ich lieber einen Brief oder eine hübsche Postkarte an jemanden, den ich lange nicht gesehen habe. In der Zeit, in der ich mich durch lustige, motivierende oder berührende Videos klicke, kann ich jemanden anrufen, den ich vermisse und fragen: »Hey, wie geht es dir?« Vielleicht erzählt mir dieser Mensch ja, was ihm Lustiges passiert ist, berührt mich mit seinen Worten, inspiriert mich zu neuen Zeilen?
Das alles klingt  toll in der Theorie. Praktisch stehe ich aber mit vielen lieben Menschen fast ausschließlich online in Verbindung. Das ist zum Einen Grund, doch regelmäßig, wenn auch nicht mehr so oft, bei Facebook & Co. vorbeizuschauen. Und zum Anderen Motivation, meine offline Freundschaftspflege zu verstärken. Ich krame jetzt das Briefpapier heraus ...
© Jo Jansen 2017



Donnerstag, 1. Dezember 2016

Unsichtbar

Heute war ich unsichtbar in unserer Kreisstadt unterwegs. Zuerst übersah mich die Kellnerin im Café »Schön«, die mich sonst immer besonders freundlich begrüßt hatte. Auch die Verkäuferin in der Drogerie Müller schien durch mich hindurch zu schauen, obwohl sie bei früheren Begegnungen immer ein paar nette Worte mit mir gewechselt hatte. Weiter ging es am Bus. Dort traf ich die alte Dame mit dem wunderschönen Garten aus dem Nachbardorf und die Katzenfrau aus Beuron. Kurz glaubte ich, beide erwiderten meinen Gruß mit einem stummen Nicken. Oder nickten sie sich nur gegenseitig zu? Das sonst übliche Gespräch über dies und das blieb jedenfalls aus. 

Hatte ich etwa eine Tarnkappe auf? Sonnenbrille und Gangsterhut? Oder gar eine Burka angezogen, dass sie mich nicht erkannten? Nein, ich hatte nur ausnahmsweise meinen Hund nicht dabei! 



Donnerstag, 17. November 2016

Ausgeträumt

Kennt Ihr das: Ihr träumt etwas, und fast noch wichtiger als das, was dort geschieht, ist das Gefühl, das Ihr im Traum habt? Das kann Angst, Zweifel, aber auch Glück oder Wohlbefinden sein. Mein letzter Traum war sehr realistisch, sowohl was das Fühlen, als auch die Handlung anging. Es war Sommer. Herrlich! Im November träume ich gern vom Sommer. Meine Kinder und Mr J. waren bei mir, ich stand draußen auf der Terrasse an einem Herd, den es außerhalb meiner Träume nicht gibt.  Kater Frodo strich mir um die Beine. Die Stimmung war leicht und fröhlich. Auf dem Herd stand ein riesiger Topf von mindestens 60 Zentimeter Durchmesser. In diesem Topf rührte ich das, was da kochte. Es war ein schwarz-weiß gefleckter Kater, meinem Frodo sehr ähnlich. Doch völlig ungerührt rührte ich weiter. Der Kater im Topf sollte das Essen für meine Familie sein. Was war den schon dabei? Es war doch nicht mein Kater, denn der strich mir ja putzmunter um die Beine ... 

Ich erwachte und fühlte mich richtig schlecht. Wie kann man nur ..., dachte ich. Und überlegte. Wo ist die Grenze, die entscheidet, welches Tier wir lieben und welches wir essen? Natürlich würde niemand aus meiner Familie je Kater essen. Weder den eigenen noch einen fremden. Aber kann man ein Huhn nicht genau so gern haben wie einen Kater? Freut sich ein Ferkel nicht ebenso wie ein Kater, wenn ihm die Sonne den Bauch wärmt? Wenn das Ferkel denn überhaupt jemals die Sonne sieht. Wer hat uns Menschen zum Richter über Leben und Tod anderer fühlender Wesen erhoben, nach dem Motto "Die Süßen ins Körbchen, die Leckeren ins Töpfchen?"


Natürlich ist es einfach, ein Schnitzel zu braten. Das ist ja nur ein totes Stück Fleisch, ohne Gesicht, ohne Augen, die Dich anschauen. Was wäre, wenn wir jedes Tier, das wir essen wollen, zuvor eigenhändig töten müssten? Nicht dem geliebten Kater, aber einem zuckersüß dreinschauenden Ferkel mit dem Messer die Kehle durchschneiden. Uns mit seinem Blut besudeln. Würde uns das Fleisch dann noch schmecken?