Montag, 6. Mai 2019

... von der Rika einen Gruß

Sonntagmittag. Die Sonne scheint, Vögel zwitschern, es duftet nach Frühling auf dieser bunten Blumenwiese. Tante Thea ist schon am Freitag angekommen und erwartet mich mit einer Tüte leckerer Hundekekse. „Da bist du ja wieder“, sagt sie. Bevor ich mich für die wirklich köstlichen Kekse bedanken kann, kommen Alex, der hübsche Terrierrüde, und Daifuku, der kleine Chihuahua angesprungen. Daifuku, das heißt große Freude, und er macht seinem Namen alle Ehre. Der kleine Hund wedelt mit dem Schwanz, hüpft voller Vorfreude im Kreis und ruft: „Lasst uns Ballis jagen!“ Ein wohlbekanntes leises Pfeifen verkündet, dass tatsächlich jemand so ein Balli an der Schnur geworfen hat. Ich sehe es genau, leuchtend gelb kommt es von links herangeflogen. Alex und der kleine Daifuku haben keine Chance. Sofort springe ich hoch in die Luft, dass meine Ohren flattern, und schnappe mir die Beute. Noch zweimal pfeift es, und schon haben auch Alex und Daifuku ein Balli gefangen. Von allen Seiten kommen Hunde gelaufen. Ich erkenne Sam und Samantha, Lina, Leja, Olli, Tobi, Bonny, Cessi, Nora, Bessi, Quinn, Balou, Cora und Lady. Immer wieder fliegen Ballis durch die Frühlingsluft, bis jeder Hund eines gefangen hat. Jetzt sehe ich mir den Werfer genauer an und weiß sofort, es ist Lee Dorman, der Bassgitarrist von Iron Butterfly. „Hey Rika, nice to meet you“, ruft er und winkt mit seinem Basecap. Er kannte mich bisher nur von den Fotos, die Jo ihm bei ihrem Treffen gezeigt hatte. Neben ihm steht, an einem kleinen Tisch, Leonhard Cohen, in schwarzem Anzug, Hemd und Krawatte. Er gießt Wasser aus einer Karaffe in ein Glas, und da ist es roter Wein. Während ich noch denke, dass ich keinen Wein mag, gießt Leonhard den Wein in eine flache Schüssel und es ist wieder Wasser, das er mir zum Trinken hinhält. Es schmeckt himmlisch. 

Die lieblichen Töne einer Okarina klingen an mein Hundeohr. Yamamotosan, mit der gemeinsam ich den Gletscher am Jungfraujoch besuchte, spielt auf ihrer Lieblingsflöte. Nun hat Lee seine Gitarre in der Hand und begleitet sie. Die Melodie kenn ich doch! 
In Rixdorf ist Musike, Musike, Musike,
da tanzen Franz und Rieke,
in Rixdorf bei Berlin ...
David Bowie steht vor mir, deutet eine Verbeugung an. Er trägt lustige Schlaghosen, deren Hosenbeine unten so weit sind, dass ich mich darin verstecken könnte. Die Idee hat schon vor mir jemand gehabt, denn aus dem linken Hosenbein schießt plötzlich Flocki hervor, ein schwarzer Kleinpudel. Er flitzt über die Wiese zu Tante Thea, die weiter fleißig Hundekekse verteilt. Ich weiß, dass David Berlin ebenso sehr liebt wie ich. Darum stelle ich mich auf die Hinterbeine, David fasst meine Vorderpfoten und wir tanzen eine flotte Polka „... in Rixdorf bei Berlin. Jawoll!“ Tanzend nähern wir uns einem uralten Apfelbaum, der über und über mit duftenden weißrosa Blüten geschmückt ist. An einem starken Ast hängt eine Schaukel, darauf sitzt Omi Liselotte und baumelt vergnügt mit den Beinen. Sie zwinkert Opa Willi zu, dessen dunkle lange Hose von farblich passenden Hosenträgern gehalten wird, und der im Schatten des Apfelbaumes Kniebeugen macht. Drei Katzen schauen ihm dabei aufmerksam zu. 

Ich laufe zu Omi Liselotte und lege ihr meinen Kopf aufs Knie. Sie streichelt mich hinter den Ohren, so wie ich es am liebsten mag. Dann flüstert sie: „Und, hast du ihr gesagt, dass ich dich geschickt hatte, um ganz lieb zu ihr zu sein?“
„Das brauchte ich nicht“, antworte ich. „Deine Enkelin hat es von selbst gespürt.“
Omi Liselotte nickt zufrieden. „Und wer zeigt es ihr jetzt?“
„Kater Frodo hat diese Aufgabe von mir übernommen.“
„Sehr gut. Dann weiß sie ja, wie lieb ich sie habe.“
Alan Rickman, der ebenfalls im Schatten des Baumes sitzt, scheint unser Gespräch belauscht zu haben.
„After all this Time?“, fragt er. (Nach all der Zeit?)
„Always.“, antwortet die Omi. (Immer.)




Mittwoch, 27. März 2019

Zeitumstellung? Wenn, dann richtig!


Am 31. März werden die Uhren wieder auf Sommerzeit vorgestellt. Bei uns ist das gerade ein Thema, bei dem wir nicht wissen, ob wir lachen oder weinen sollen. Ich bin mir sicher, letztes Jahr hieß es, dass im März 2019 letztmalig umgestellt wird (oder auch nicht) und dann alles so bleibt, für immer. So schnell war man in der EU aber wohl nicht mit der Festlegung, da ja jedes Land für sich entscheiden darf, ob es dauerhaft die Sommerzeit oder die Normalzeit haben möchte. Darum geht das Hin und Her noch zwei volle Jahre so weiter. 
"Macht doch nix, zu Großbritannien und Griechenland haben wir auch immer einen Zeitunterschied", las ich heute als Kommentar.

Heftiger Einspruch dazu: Wenn jetzt Großbritannien einen Zeitunterschied hat, stört das nur wenige, direkt Betroffene. Da die Briten eh aus der EU raus wollen, sei ihnen die eigene Zeit gegönnt. 😉 ABER: Dreiländerecks wie D/A/CH oder D/F/CH oder D/BEL/NL usw. ... da gäbe es ein kleines Chaos, wenn man bei jeder Überschreitung der abgeschafften Grenzen die Uhr vor oder zurückstellen müsste. Wenn schon, dann bitte richtiges Chaos: Also, alle Länder - auch die Bundesländer - haben das Recht auf eine eigene Uhrzeit! Zum Beispiel Schleswig Holstein Sommerzeit, Mecklenburg Normalzeit usw. Das wird lustig. Erst recht, wenn "quasi-Länder" wie das Sauerland oder das Schwabenländle ebenfalls ihre eigene Zeit fordern. 🤣

Dienstag, 25. September 2018

Streicheln geht immer

Nach dem Offlinemonat August bin ich nun schon eine paar Tage wieder voll dabei. Online. Die Pause tat gut, der Kopf wurde klarer und ist voller neuer Ideen. Gerade dachte ich, dass ich mich am liebsten klonen würde: eine Jo fürs Schreiben und eine Uta für Haus und Garten. Erst recht, wenn am Wochenende die Schwiegereltern kommen ... Aber das ist eine andere Geschichte. Für Euch habe ich heute ein Drabble* mitgebracht:

Streicheln geht immer

Mittagessen im Freiraum. Urgemütlich. Häkeldeckchen, echte Blumen, kleine, feine Tageskarte. Gäste reden miteinander, egal, ob sie sich kennen oder nicht. Am Nachbartisch drei ältere Damen, hübsch zurechtgemacht mit Halsschmuck und frisiertem Haar. Meine Hündin liegt neben meinem Stuhl auf dem Boden. Eine junge Frau kommt herein und fragt, ob sie den Hund streicheln darf. Auf meine Zustimmung hin beginnt sie ein liebevoll kraulendes Verwöhnprogramm. Die Hündin genießt es. Ich bedanke mich bei der Frau mit den Worten: „Ja, Streicheln geht immer. Beim Hund und bei den Katzen auch.“ Ruft eine der drei Damen vom Nebentisch: „... und bei den Frauen!“ 




*Drabble = genau 100 Worte + Überschrift

Samstag, 4. August 2018

Alle Jahre wieder ...

Wie schon in den vergangenen Jahren, starte ich auch 2018 wieder in meinen Offline-Monat. Etwas später als am 1. August - ich war einfach nicht online, um diesen Blogbeitrag zu schreiben. Es ist gefühlt seit vier Monaten Sommer, unser Leben spielt sich größtenteils draußen ab, da fällt der Verzicht auf Facebook, Xing, google+, Twitter, Instagram & Co leicht. Gartenschlauch statt WLAN, denn unsere Pflanzen wollen bei der Hitze täglich gegossen werden. Mit Freunden zum Grillen treffen, statt chatten. Eisgekühlte Cocktails schmecken auch, ohne dass ich ein Foto davon auf Instagram oder Facebook poste. Urlaubsfotos werden im September nachgeliefert. Wer mich erreichen möchte: Die Firma mit den kleinen gelben Autos oder die mit den magentafarbenen Mützen machen es möglich. Genießt den Sommer! 



Dienstag, 10. April 2018

Helden (Drabble* des Tages)

Geschrei vor dem Haus am Morgen. Wie von kleinen Kindern. Katergeschrei. Unser Frodo und der Nachbarskater stehen sich auf der Straße gegenüber. Beide schreien sich an, peitschen mit den Schwänzen die kühle Morgenluft. Sonst keine Bewegung. Selbst die Blicke scheinen am Gegner festgefroren zu sein. Wer wird zuerst auf den Anderen losgehen? Wer wegrennen? Wer hinterher? Minuten dehnen sich. Die Dorfhunde begleiten das Katergeschrei mit Gebell. Dramatik pur morgens um Sieben. Plötzlich eine Bewegung. Frodo dreht sich um, ist mit einem Sprung auf dem Zaun des Nachbarn. Sein Gegner, als hätte er nur darauf gewartet, rast in entgegengesetzter Richtung davon.
*Drabble = genau 100 Worte + Überschrift

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Umgekehrter Adventskalender

Hier das versprochene Foto meines umgekehrten Adventskalenders. Wie Ihr seht, füllt er sich langsam. Das Gefühl ist mindestens so gut, wie beim normalen Adventskalender, aus dem ich sonst etwas nehmen durfte, statt etwas hineinzutun. Am Morgen stehe ich voller Vorfreude auf und schaue, was dieses Mal mit in die Kiste darf. Okay, ich gebe zu, ich habe beim letzten Einkauf bewusst auch an diese Kiste gedacht und manche Dinge in weiser Voraussicht eingekauft. 😉 Am Ende zählt doch, dass die Kiste voll ist und anderen Menschen hilft. 🎁




Mittwoch, 6. Dezember 2017

Wie sieht Eure Weihnachtspost aus?

Zu Weihnachten hat die Post mehr zu tun, als zu jeder anderen Zeit im Jahr. Fast jeder versendet Weihnachtsgrüße. Mich interessiert, welcher Weihnachtspost-Typ Ihr seid und worüber Ihr Euch besonders freut oder auch nicht. 
Mir fallen spontan 7 Kategorien ein:

1. Die Pflichterlediger - »Herzliche Weihnachtsgrüße senden Euch die vier  Mustermanns.« Dieses Sprüchlein wird brav auf genau so viele bunte Karten geschrieben, wie es Menschen gibt, denen man sich verpflichtet fühlt, zu schreiben. Mehr nicht. Reicht doch, oder? Den Rest des Jahres über hat man sich ja auch nichts zu schreiben. 

2. Die Optimierer - Wenn schon schreiben, dann so rationell wie möglich. Ein mit dem Computer geschriebener und x-fach ausgedruckter Rundbrief berichtet über alles, was im letzten Jahr Wichtiges passiert ist. Von Juniors Seepferdchen bis zu Tante Marthas dreiwöchigem Besuch. Kommt besonders gut an, wenn man ihn mit Fotos von eigenen Errungenschaften, wie dem neuen Auto, einem Urlaub in New York oder wenigstens dem glänzenden Weber-Gartengrill krönt. Wichtig: Bitte nie weniger als drei eng beschriebene Seiten! Der Empfänger soll beim Lesen ruhig ein schlechtes Gewissen bekommen, dass Du Dir extra für ihn so viel Arbeit gemacht hast. 

3. Die Versprecher - Hier werden nicht nur Weihnachtsgrüße versendet, sondern diese mit einem Versprechen fürs neue Jahr verknüpft. »Aber 2018 besuchen wir Euch endlich mal.« Oder »Nächstes Jahr lass mal zusammen Picknick machen.« Heb Dir solche Karten gut auf. Am besten legst Du sie zu denen vom letzten, vorletzten und vorvorletzten Jahr, deren Versprechen ebenfalls noch auf Erfüllung warten. 

4. Die Aufmerksamen - Diese Menschen haben einen Blick für die kleinen Dinge. Sie schreiben Dir eine Weihnachtskarte mit einem kleinen Hund vorne drauf, der fast so aussieht, wie Deiner. Oder mit einem bärtigen Weihnachtsmann, der verblüffende Ähnlichkeit mit Deinem Mann hat. Vielleicht ist die Karte sogar selbstgebastelt? Dazu kommen entweder ein paar liebe Zeilen über gemeinsame Erlebnisse »Weißt Du noch, im Sommer ... ?« oder eine Beschreibung dessen, was man an Weihnachten vorhat, immer verbunden mit lieben Wünschen für Dich und Deine Familie. 

5. Die Erbsenzähler - Die Weihnachtskarten liegen schon seit Mitte November bereit, denn da waren sie günstig im Angebot. Für jede Weihnachtskarte, die ins Haus trudelt, wird eine an den jeweiligen Absender zurückgeschrieben. Wer nichts schickt, kriegt auch nichts. Und wenn eine Karte erst am 24.12. beim Erbsenzähler ankommt? Dann wird trotzdem noch geschrieben und oben rechts in der Ecke der Karte deutlich sichtbar das Datum »Musterstadt, den 21.12.« hingesetzt. Soll der Empfänger doch auf die Schneckenpost schimpfen. Der Erbsenzähler hat alles richtig gemacht und niemanden vergessen, der Weihnachtsgrüße verdient hat.  

6. Die Auf-den-letzten-Drücker-Schreiber - Sie denken: Waaaas?! Heute ist schon der 24. Dezember? Und ich habe noch keine Weihnachtskarte geschrieben? Na ja, ein SMS oder What’sApp tuts auch. Am besten dekoriert mit so einem lustigen Video. Wundere Dich nicht, wenn Du manches Video mehrfach gesendet bekommst. Es gibt einfach zu viele Menschen, die nie Zeit haben und in diese Kategorie fallen. 

7. Die Seltenen - Sie schreiben keine Weihnachtskarten, sondern -Briefe. Auf schönem Briefpapier und mit der Hand. Erzählen Dir, was sie bewegt, gehen auf Dein Leben ein, berühren Dein Herz. Das kann nicht jeder. Solche Briefe sind selten geworden. Wenn Du einen erhältst, darfst Du Dich glücklich schätzen. 

Ich möchte Niemandem zu nahe treten, der sich in der einen oder anderen Kategorie oder in einer Mischform wiedererkannt hat. Aber vielleicht gilt ja auch bei den Weihnachtsgrüßen: Weniger ist mehr. Weg von der selbst auferlegten Pflicht, ALLEN schreiben zu müssen. Stattdessen ein paar wenige Grüße an Menschen senden, die uns wirklich am Herzen liegen. Das fällt schwer, ich weiß. 
Nun bin ich ganz gespannt auf Eure Meinungen und Erfahrungen.