Dienstag, 12. Mai 2020

Stachelbeeren

Der kleine Stachelbeerstrauch trägt zum ersten Mal Früchte. Nicht viele, aber sie sind groß und saftig und glänzen grün mit einem leichten goldenen Schimmer in der Sonne.
„Was wirst du damit tun?“, fragt meine beste Freundin.
„Ich warte noch ein wenig, bis sie reif sind. Dann werde ich sie pflücken und einen leckeren Stachelbeersaft daraus kochen. Du erinnerst dich? Mein Exmann liebt Stachelbeersaft.“
Die Freundin nickt. Natürlich, sie kennt mich seit der Schulzeit.
„Mit dem Fläschchen Saft werde ich zu meinem Ex fahren und es ihm überreichen. Und mich bei ihm bedanken für die wunderschönen letzten zehn Jahre ohne ihn.“

©Jo Jansen 20200512

Das ist wieder ein Drabble (exakt 100 Worte, ohne Mitrechnung der Überschrift.) Ich habe die Geschichte tatsächlich geträumt, heute früh direkt vor dem Aufwachen. Darum konnte ich mich noch daran erinnern und sie aufschreiben. Nur zwei Dinge stimmen nicht mit der Realität überein:
1. Ich habe keine Ahnung, ob mein Exmann Stachelbeersaft liebt.
2. Ich würde unsere wenigen Stachelbeeren an den neu gesetzten Büschen nicht mit ihm teilen. 




Mittwoch, 25. März 2020

"Sturmfrei" (1) von Jo Jansen

„Essen ist im Kühlschrank.“
„Ja, Mutter. Danke Mutter. Gute Reise.“
„Und mach keine Dummheiten.“
„Nein Mutter.“
Bei den letzten zwei Worten kreuzte er heimlich die Finger der rechten Hand hinter seinem Rücken. Mit der Linken winkte er, bis das Taxi um die Ecke bog. 
Sturmfrei! 
Das zweite Mal in fünfunddreißig Jahren. Beim ersten Mal war er vierzehn gewesen und Christa, Mutters Cousine, sollte für drei Tage hier einziehen, während Mutter im Krankenhaus wegen einer falschen Lungenentzündung behandelt wurde. Die ganze Geschichte war ziemlich mysteriös und Lukas hatte sie bis heute nicht verstanden. Denn der Nachbar, der angeblich schuld an Mutters Leiden war, hatte nicht ins Krankenhaus gemusst. Stattdessen wurde zeitgleich mit Mutter ihre Cousine Christa dort eingeliefert, weil sie auf der Straße von Stetten hinunter ins Donautal einem auf der Straße liegenden großen Stein ausgewichen war und einen entgegenkommenden PKW gestreift hatte. Lukas hatte drei Abende lang mit den anderen Jugendlichen aus Inzigkofen am Sportplatz abgehangen, wie sie es nannten, sich nur von Döner, Pizza, Cola und Red Bull ernährt und die ganze Nacht hindurch Siedler III gespielt. Geile Zeit! Er dachte immer noch gern daran zurück.

Seit Mutter angedeutet hatte, dass sie überlegte, zum goldenen Klassentreffen, wie sie es nannte, zu fahren, war in Lukas‘ Kopf ein Plan gereift. Bis zuletzt war er nicht sicher gewesen, ob sie die Reise nach Bremen wirklich antreten würde. Doch die Neugier, was aus ihren alten Klassenkameradinnen der katholischen Mädchenschule geworden sein mochte, war größer gewesen als ihre Angst, Sohn und Kater für drei Tage allein zu lassen. 

Lukas wartete eine Stunde, bis er ganz sicher war, dass sie in Sigmaringen nicht den Zug verpasst hatte und deshalb wieder zurückkam. Die Zeit vertrieb er sich damit, den Kater zu ärgern. Jedes Mal, wenn dieser sich dem mit Lachspastete in delikater Sauce gefüllten Futternapf näherte, bekam er einen Strahl aus der Wasserspritzpistole ab. Das Tier war so dumm, es immer wieder zu versuchen, bis sein Fell klitschnass war und der Tank der Spritzpistole leer. Lukas nahm den gefüllten Napf und stellte ihn in den Kühlschrank. Der Kater verzog sich beleidigt mauzend nach draußen, wo er begann, sein Fell zu putzen. Lukas überlegte kurz, ihm zu folgen und das Spiel mit dem Gartenschlauch fortzusetzen. Aber ein leichter Schneeregen, der von eisigem Wind begleitet wurde, hielt ihn davon ab. Stattdessen fläzte er sich in den guten Sessel, der sonst Mutter vorbehalten war, und zappte sich durch das Fernsehprogramm. Zwischen Trickfilmchen und belanglosem Talk am Mittag schaute er immer wieder auf die Wanduhr. Jetzt war Mutter eine Stunde fort! Er sprang aus dem Sessel, zog seine warmen Winterschuhe an, griff Jacke und Schlüsselbund und ging fröhlich pfeifend hinüber in die Garage. In Mutters silbergrauem Opel Astra hatte er noch nie ganz allein gesessen. Meist fuhr sie ihn, und Lukas saß auf dem Beifahrersitz. Oder hinten, wenn Christa dabei war. 

Heute gehörte das Auto ihm! Der Schneeregen hatte nachgelassen, der eisige Wind war geblieben. Lukas war das egal. Er fuhr mit heruntergelassenem Seitenfenster, sodass er lässig den linken Ellenbogen aus dem Fenster halten konnte. Das hatte er schon oft im Film gesehen und fand, dass es total cool aussah. In dieser Haltung bog er In den Käppeleswiesen in Sigmaringen ein. Er hatte Glück, nur ein Auto stand vor ihm am Drive-in-Schalter. Lukas bestellte sich das Family Party Happy Meal mit dem Ion Thrasher. Ja, das war ein Auto! Aber egal, für das, was er heute vorhatte, würde Mutters Astra genügen. Während er auf der Schnellstraße Richtung Norden fuhr, stopfte er sich abwechselnd Pommes in den Mund und nahm einen Schluck von seinem Milchshake. Ein Kartoffelstift haftete am anderen, löste sich auf dem Weg zum Mund und fiel auf seine braune Stoffhose, wo er einen hellen Mayonnaisefleck hinterließ. Lukas fluchte leise vor sich hin. Mutter würde schimpfen und eine Erklärung verlangen, wenn sie den Fleck sah. Zum Glück hatte er seine guten Sachen dabei, denn für das, was er vorhatte, wollte er sich später umziehen. Albstadt Ebingen kam in Sicht. Lukas wischte sich die fettigen Hände an der Hose ab. Nun war es egal. Er bog in die Sigmaringer Straße ein und hielt kurze Zeit später vor dem Laden mit dem auffälligen roten Design und der weißen Schrift darauf. Er spürte ein elektrisierendes Kribbeln unterhalb des Bauchnabels. Vorfreude. 

Als er den Laden betrat, fühlte er sich zurückversetzt in seine Kindheit. Eine Erinnerung schoss in ihm hoch. Er war sieben Jahre alt gewesen, als sein Vater ihn ins Kaufhaus Schleehauff neben dem Sigmaringer Rathaus mitgenommen hatte. Sie gingen gemeinsam in die oberste Etage, wo sich die Spielwarenabteilung befand. Dort zog Vater einen Hundertmarkschein aus der Brieftasche, die nach Leder roch, ein Geruch, den Lukas noch heute mit ihm in Verbindung brachte. „Such dir aus, was du haben magst, mein Sohn“, sagte er. Er hatte Lukas vorher nie mit mein Sohn angesprochen. Und danach auch nicht. Lukas erinnerte sich noch gut an das Gefühl, all die Schätze vor sich zu sehen. Und wählen zu müssen. Denn, egal, wofür er sich entschied, es war eine Entscheidung gegen alles andere, was er nicht kaufen konnte. Damals war er mit der Piratenburg von Lego und einem Transformer aus dem Laden gegangen. In das Glück über den Kauf mischte sich das Bedauern, die blaue Lego-Unterwasserwelt zurückgelassen zu haben. Allerdings hatte die mit der Erinnerung verbundene Traurigkeit, die er heute noch wie schmerzhafte Stiche spürte, nichts mit den Legobaukästen zu tun. Sondern damit, dass Vater am nächsten Morgen ausgezogen war, samt seinem wohlvertrauten Ledergeruch, und nie zurückkehrte. 

„Hey, ich bin Sandra, kann ich Ihnen helfen?“ Lukas schreckte aus seinen Gedanken. Eine junge Frau lächelte ihn freundlich an. Sie hatte schwarze Rastazöpfe und trug ein enges, kurzes rotes Kleid, das ihre perfekte Figur betonte. Ihre schokoladenbraune Haut schimmerte samtig. Sie war wunderschön. Lukas konnte seinen Blick nicht von ihr lösen. Er spürte, wie er errötete, und er begann zu stammeln:
„Ähm, also, ich ...“
„Wenn Sie das erste Mal bei uns sind, gebe ich Ihnen gern einen kurzen Überblick über unser Angebot“, schlug Sandra vor. „Bitte folgen Sie mir einfach.“
Lukas nickte stumm und stolperte hinter ihr her. Das Blut rauschte in seinen Ohren, sodass es ihm schwerfiel, sich auf ihre Worte zu konzentrieren, mit denen sie ihn auf die verschiedenen Abteilungen und Angebote des Ladens hinwies. Stattdessen hing sein Blick an ihrem Po, der sich unter dem Kleid abzeichnete.
„...legen darf?“ Sie war stehengeblieben, hatte sich zu ihm umgedreht und sah ihn erwartungsvoll an.
„Wie bitte?“ 
„Ob ich das Superrabattangebot der Woche für Sie schon mal an der Kasse hinterlegen darf“, wiederholte Sandra mit sanfter Stimme. 
„Ähm ja, klar gern.“ Lukas versuchte, seine Gedanken zu ordnen. Er wusste genau, warum er hier war. „Und dann hätte ich gern noch ...“ Seine Stimme wurde mit jedem Wort leiser. 
„Ja ...?“ Sandra sah ihn abwartend an. 
Lukas blickte sich verstohlen im Laden um. Am Regal hinter ihm stand ein junges Pärchen, beide Anfang zwanzig, die kichernd verschiedenes Spielzeug in die Hand nahmen. Lukas trat näher an Sandra heran und flüsterte ihr etwas ins Ohr, wobei er merkte, wie ihm das Blut in den Kopf schoss. Und nicht nur da hin. Auch seine Hose schien plötzlich enger zu werden.
„... wie ich?“ Sandra sah ihn überrascht an. Ihre Augen funkelten. Hoffentlich begann sie nicht, ihn auszulachen. 
„Alles klar, ich vestehe“, sagte sie, mit heiterer Leichtigkeit in der Stimme. „Bitte kommen Sie mit.“ Sie schritt zu einem Regal auf der linken Seite des Raumes und griff nach einer buntbedruckten Pappschachtel. „African Queen“ las Lukas über dem Foto, das zwar nicht Sandra ähnlichsah, aber zumindest eine ebenso dunkle Schönheit zeigte. Mit vor Aufregung feuchten Händen griff Lukas nach dem Karton und drückte ihn an seine Brust. 
„Ist für neunundzwanzig fünfundneunzig im Angebot“, sagte Sandra. „Haben Sie sonst noch einen Wunsch?“ 
Lukas nickte. Die Pappschachtel vor seinem Körper fühlte sich an, wie ein Schild, welches ihm Sicherheit gab und Mut. Er deutete mit der rechten Hand auf Sandras rotes Kleid. 
„So ein Kleid. In ihrer Größe.“ Er senkte den Blick auf den Karton vor seiner Brust. 

Wenig später verließ Lukas den Laden mit einer großen Tüte. Auf dem Kassenzettel stand der Betrag von 98,50 Euro. Er hatte Sandra einen Hunderter über den Tresen geschoben und „Stimmt so“ gesagt. Und dabei fiel ihm wieder die Sache mit seinem Vater ein, obwohl er jetzt gar nicht daran denken wollte. Lukas atmete tief durch, bevor er in Mutters Opel stieg. Der erste Schritt war getan. 

©Jo Jansen 20200325

Dienstag, 15. Oktober 2019

Der Eisbär


Das Fell des alten Eisbären war vergilbt und glanzlos. Wozu sollte er sich noch putzen? Die Weibchen himmelten den Neuen an, der ins Gehege gekommen war, und auch die größten Fische bekam. Der Alte sah hinüber zum Braunbärengehege, wo ein einsames dunkles Weibchen von den Kindern als Teddy bejubelt wurde. Ja, das wäre eine Alternative! Er würde ein Braunbär werden! Tagelang sammelte der alte Eisbär seine großen Haufen in einer stillen Ecke. Dann regnete es und er wälzte sich in der Pampe, bis er ganz braun war. Doch nun war er weder Eisbär noch Braunbär, sondern einfach nur ein Scheißbär. 


© Jo Jansen 2019
(Auch das ist wieder ein Drabble


Donnerstag, 10. Oktober 2019

Schwarz-weiß

Schwarze Katzen sind besonders. Man sagt ihnen magische Kräfte nach. Darum werden Hexen häufig mit einer schwarzen Katze dargestellt. Auch unter ihren mauzenden Artgenossen scheinen die Schwarzen eine besondere Stellung einzunehmen. Lily braucht nur auf der Straße stehenzubleiben und zu gucken, schon schleicht der Nachbarskater langsam rückwärts auf sein Gehöft zurück. Selbst große Hunde wechseln die Straßenseite, wenn Lily bei uns auf der Mauer hockt. 

Und dann gibt es weiße Katzen. Als Lily das erste Mal eine erblickte, sprang sie mit allen vier Beinen gleichzeitig rückwärts, wobei ihr sämtliche Haare zu Berge standen. 

Für schwarze Katzen sind Weiße die Schwarzen. 

©Jo Jansen 2019 

(Das ist ein Drabble, bestehend aus genau 100 Wörtern, die Überschrift nicht mitgerechnet. Auch zur Erinnerung an 50 Jahre Monty Python, die als Erfinder des Drabble gelten.)


Dienstag, 30. Juli 2019

Sendepause


Es ist schon fast wieder so weit - im August ist bei mir traditionell Sendepause. Ich werde mich aus Facebook, Instagram, Twitter usw. zurückziehen. Noch nie habe ich mich auf diese virtuelle Auszeit so gefreut wie in diesem Jahr. Ich bin müde. Müde all der Diskussionen, die ich führte  in der Hoffnung, dass die Menschen nachdenken mögen. Lesen, sich informieren, auf das eigene Herz hören. Nicht Parolen nachplappern, nicht Hassbotschaften verbreiten, nicht alternativen Fakten Glauben schenken, nicht denen die Schuld geben, die anders sind, weil man dann bei sich selbst nichts ändern muss. Erst recht, wenn blau angemaltes braunes Gedankengut das neue Heil bringen soll. Egal ob Weißer oder Schwarzer, Hetero oder Homo, Moslem oder Christ, Veganer, Brillenträger, Hundehalter, Apperitivallergiker oder Socken-in-Sandalen-Träger - es gibt in all diesen Gruppen herzensgute Menschen und A...löcher. Und trotzdem gebe ich Max Planck nur teilweise recht, weil ich immer noch die Hoffnung habe, dass Menschen sich ändern können. Aus Saulus wurde ein Paulus, und vielleicht schlägt tief drin in einem brauen A...loch doch ein rotes Herz.
Habt einen schönen August. Draußen, im Wald, in den Bergen, auf der Wiese, am Meer oder am See. Offline, aber die Augen und das Herz weit geöffnet. 



Montag, 6. Mai 2019

... von der Rika einen Gruß

Sonntagmittag. Die Sonne scheint, Vögel zwitschern, es duftet nach Frühling auf dieser bunten Blumenwiese. Tante Thea ist schon am Freitag angekommen und erwartet mich mit einer Tüte leckerer Hundekekse. „Da bist du ja wieder“, sagt sie. Bevor ich mich für die wirklich köstlichen Kekse bedanken kann, kommen Alex, der hübsche Terrierrüde, und Daifuku, der kleine Chihuahua angesprungen. Daifuku, das heißt große Freude, und er macht seinem Namen alle Ehre. Der kleine Hund wedelt mit dem Schwanz, hüpft voller Vorfreude im Kreis und ruft: „Lasst uns Ballis jagen!“ Ein wohlbekanntes leises Pfeifen verkündet, dass tatsächlich jemand so ein Balli an der Schnur geworfen hat. Ich sehe es genau, leuchtend gelb kommt es von links herangeflogen. Alex und der kleine Daifuku haben keine Chance. Sofort springe ich hoch in die Luft, dass meine Ohren flattern, und schnappe mir die Beute. Noch zweimal pfeift es, und schon haben auch Alex und Daifuku ein Balli gefangen. Von allen Seiten kommen Hunde gelaufen. Ich erkenne Sam und Samantha, Lina, Leja, Olli, Tobi, Bonny, Cessi, Nora, Bessi, Quinn, Balou, Cora und Lady. Immer wieder fliegen Ballis durch die Frühlingsluft, bis jeder Hund eines gefangen hat. Jetzt sehe ich mir den Werfer genauer an und weiß sofort, es ist Lee Dorman, der Bassgitarrist von Iron Butterfly. „Hey Rika, nice to meet you“, ruft er und winkt mit seinem Basecap. Er kannte mich bisher nur von den Fotos, die Jo ihm bei ihrem Treffen gezeigt hatte. Neben ihm steht, an einem kleinen Tisch, Leonhard Cohen, in schwarzem Anzug, Hemd und Krawatte. Er gießt Wasser aus einer Karaffe in ein Glas, und da ist es roter Wein. Während ich noch denke, dass ich keinen Wein mag, gießt Leonhard den Wein in eine flache Schüssel und es ist wieder Wasser, das er mir zum Trinken hinhält. Es schmeckt himmlisch. 

Die lieblichen Töne einer Okarina klingen an mein Hundeohr. Yamamotosan, mit der gemeinsam ich den Gletscher am Jungfraujoch besuchte, spielt auf ihrer Lieblingsflöte. Nun hat Lee seine Gitarre in der Hand und begleitet sie. Die Melodie kenn ich doch! 
In Rixdorf ist Musike, Musike, Musike,
da tanzen Franz und Rieke,
in Rixdorf bei Berlin ...
David Bowie steht vor mir, deutet eine Verbeugung an. Er trägt lustige Schlaghosen, deren Hosenbeine unten so weit sind, dass ich mich darin verstecken könnte. Die Idee hat schon vor mir jemand gehabt, denn aus dem linken Hosenbein schießt plötzlich Flocki hervor, ein schwarzer Kleinpudel. Er flitzt über die Wiese, auf Sigi zu, die  gerade fröhlich winkend in rosa Flauschpantöffelchen und mit pinkfarbenem Glitzer im Haar angetippelt kommt. Sie lacht ihr unnachahmliches Sigi-Lachen, hockt sich hin, breitet die Arme aus, an denen Reifen in allen Farben des Regenbogens leise klappern, und Flocki springt  freudig bellend in ihren Schoß. Nachdem der kleine Pudel sein Frauchen mit liebevollen Hundeküssen begrüßt hat, rennt er weiter zu Tante Thea, die immer noch fleißig Hundekekse verteilt. Ich weiß, dass David Bowie Berlin ebenso sehr liebt wie ich. Darum stelle ich mich auf die Hinterbeine, David fasst meine Vorderpfoten und wir tanzen eine flotte Polka „... in Rixdorf bei Berlin. Jawoll!“ Tanzend nähern wir uns einem uralten Apfelbaum, der über und über mit duftenden weißrosa Blüten geschmückt ist. An einem starken Ast hängt eine Schaukel, darauf sitzt Omi Liselotte und baumelt vergnügt mit den Beinen. Sie zwinkert Opa Willi zu, dessen dunkle lange Hose von farblich passenden Hosenträgern gehalten wird, und der im Schatten des Apfelbaumes Kniebeugen macht. Lily, die schwarze Katze, schaut ihm aufmerksam zu. Neben ihr hocken ganz entspannt drei Mäuse, wohl wissend, dass hier niemand mehr gejagt wird. Auch nicht von der ehemaligen Meisterin der Mäusejagd.

Ich laufe zu Omi Liselotte und lege ihr meinen Kopf aufs Knie. Sie streichelt mich hinter den Ohren, so wie ich es am liebsten mag. Dann flüstert sie: „Und, hast du ihr gesagt, dass ich dich geschickt hatte, um ganz lieb zu ihr zu sein?“
„Das brauchte ich nicht“, antworte ich. „Deine Enkelin hat es von selbst gespürt.“
Omi Liselotte nickt zufrieden. „Und wer zeigt es ihr jetzt?“
„Kater Frodo hat diese Aufgabe von mir übernommen.“
„Sehr gut. Dann weiß sie ja, wie lieb ich sie habe.“
Alan Rickman, der ebenfalls im Schatten des Baumes sitzt, scheint unser Gespräch belauscht zu haben.
„After all this Time?“, fragt er. (Nach all der Zeit?)
„Always.“, antwortet die Omi. (Immer.)




Mittwoch, 27. März 2019

Zeitumstellung? Wenn, dann richtig!


Am 31. März werden die Uhren wieder auf Sommerzeit vorgestellt. Bei uns ist das gerade ein Thema, bei dem wir nicht wissen, ob wir lachen oder weinen sollen. Ich bin mir sicher, letztes Jahr hieß es, dass im März 2019 letztmalig umgestellt wird (oder auch nicht) und dann alles so bleibt, für immer. So schnell war man in der EU aber wohl nicht mit der Festlegung, da ja jedes Land für sich entscheiden darf, ob es dauerhaft die Sommerzeit oder die Normalzeit haben möchte. Darum geht das Hin und Her noch zwei volle Jahre so weiter. 
"Macht doch nix, zu Großbritannien und Griechenland haben wir auch immer einen Zeitunterschied", las ich heute als Kommentar.

Heftiger Einspruch dazu: Wenn jetzt Großbritannien einen Zeitunterschied hat, stört das nur wenige, direkt Betroffene. Da die Briten eh aus der EU raus wollen, sei ihnen die eigene Zeit gegönnt. 😉 ABER: Dreiländerecks wie D/A/CH oder D/F/CH oder D/BEL/NL usw. ... da gäbe es ein kleines Chaos, wenn man bei jeder Überschreitung der abgeschafften Grenzen die Uhr vor oder zurückstellen müsste. Wenn schon, dann bitte richtiges Chaos: Also, alle Länder - auch die Bundesländer - haben das Recht auf eine eigene Uhrzeit! Zum Beispiel Schleswig Holstein Sommerzeit, Mecklenburg Normalzeit usw. Das wird lustig. Erst recht, wenn "quasi-Länder" wie das Sauerland oder das Schwabenländle ebenfalls ihre eigene Zeit fordern. 🤣