Montag, 13. September 2021

Hundeglück

Das Bellen des Nachbarshundes fraß sich immer tiefer in meine Gedanken. So konnte ich nicht arbeiten. Zwei Textnachrichten später wusste ich, dass der Besitzer den Tag über unterwegs war, der Hund auf dem Grundstück allein, aber eine andere Nachbarin um 13 Uhr mit ihm spazieren gehen würde. Jetzt war es dreiviertel zehn! Um nicht drei Stunden Hundegebell zu ertragen, ließ ich mir vom Besitzer die Erlaubnis geben und ging mit dem Hund eine lange Runde spazieren. Der Hund war glücklich. Bis ich ihn zurück in Nachbars Garten brachte. Nun bellt er wieder. Hundeglück liegt im Augenblick, nicht davor oder danach.*


©Jo Jansen 20210913


*Das ist wieder ein Drabble (exakt 100 Worte, ohne Mitrechnung der Überschrift.) 


Mittwoch, 24. Februar 2021

Liebeskrank

Ich verstehe, dass du Sehnsucht hast. Der Frühling mit seiner sonnigen Wärme weckt nicht nur die Blümchen, sondern auch die Gefühle in dir und mir. Während ich mir sicher bin, meine große Liebe längst gefunden zu haben, bist du weiterhin und immer wieder auf der Suche. Ich akzeptiere das und wünsche dir Glück. Allerdings fände ich es sehr freundlich, wenn du dabei auf mich und mein Schlafbedürfnis Rücksicht nehmen würdest. Bist du sicher, dass es der richtige Weg ist, mitten in der Nacht nach einer neuen Geliebten zu rufen? Lautstark? Eine halbe Stunde lang? Geht das wirklich nicht anders, Fuchs?




©Jo Jansen 20210224


*Das ist wieder ein Drabble (exakt 100 Worte, ohne Mitrechnung der Überschrift.) 


Donnerstag, 21. Januar 2021

Schrödingers Maus

Aus aktuellem Anlass - Mäuse am Katzenfutter auf unserer Terrasse - hier eine Warnung. Die Mäuse unterstützen die Katzen darin, die Weltherrschaft zu übernehmen. Glaubt Ihr nicht? Dann lest nachfolgendes Drabble* Darunter habe ich einen Artikel der Berliner Zeitung verlinkt, der die Gefahr bestätigt. 

Die Nahrungskette ist klar definiert: Mensch füttert Katze, Katze frisst Maus. Niemals umgekehrt. Sowohl Größenunterschied als auch Lebensweise verhindern dies. Doch still und heimlich rächen sich die Hinterbliebenen der zahllosen Gefressenen an ihren Feinden, die zunächst unbesiegbar scheinen. Wenn beispielsweise die todesmutige Maus an den Fressnapf der Katze schleicht, sich satt frisst und anschließend von der Katze gefressen wird. Vorher hat das Mäuschen jedoch zwischen den Trockenfutterbröckchen im Katzennapf kleine Köddel hinterlassen. Die Maus trug das Bornavirus in sich, das nun die Katze auf ihren „Dosenöffner“ überträgt. Der daran sterben kann. Ermordet von einer Maus, die längst schon tot ist. 


©Jo Jansen 20210121


*Das ist wieder ein Drabble (exakt 100 Worte, ohne Mitrechnung der Überschrift.) 


https://www.berliner-zeitung.de/news/borna-viren-sieben-von-acht-gestorbenen-hatten-eine-katze-li.121382







Mittwoch, 2. Dezember 2020

Small Talk

Er stand lächelnd an der Straßenecke, als würde er auf mich warten. Dunkle Augen leuchteten unter dem Hut hervor, den er ein wenig schief aufgesetzt hatte. Der eisige Wind und der Schneeregen schienen ihm nichts auszumachen.
"Ich bin Knut", stellte er sich vor und ich grinste. Knut mit Hut, dachte ich. Wir unterhielten uns, als würden wir uns schon lange kennen.
"Ich muss los", sagte ich irgendwann, denn ich fror.
"Komm morgen wieder", bat er, blinzelte mir zu, und ich nickte.
Am nächsten Morgen schien die Sonne. Knut war fort. Nur sein Hut lag an der Straßenecke in einer Pfütze. 

©Jo Jansen 20201202


*Das ist wieder ein Drabble (exakt 100 Worte, ohne Mitrechnung der Überschrift.) 




Mittwoch, 18. November 2020

Spielverderber

Aktuell bekam ich mehrfach einen hübsch aufgemachten Kettenbrief, den man sechs Freundinnen weiterleiten soll. Ein bisschen Weihnachtsglitzer und emotional klingende Worte fordern dazu auf, einer bestimmte Person, geheime Schwester genannt, ein Weihnachtsgeschenk zu schicken. Für diesen wahrlich geringen Einsatz bekäme man demnächst sechs bis sechsunddreißig Geschenke von anderen geheimen Schwestern. Ich reagierte wie immer bei Kettenbriefen und wies die Absenderinnen auf das rein mathematisch nicht funktionierende Schneeballsystem hin. Zum „Dank“ wurde ich als Spielverderberin bezeichnet, die anderen die Freude nimmt und Schuld hätte, dass solche schönen Aktionen nicht funktionierten. Wer das tatsächlich glaubt, sollte Weizenkornlegende googeln. Ansonsten: Mathematik – Setzen, Sechs!* 


©Jo Jansen 20201118


*Das ist wieder ein Drabble (exakt 100 Worte, ohne Mitrechnung der Überschrift.) 





Donnerstag, 1. Oktober 2020

Klingeling

Wenn Radfahrer und Wanderer sich einen Weg teilen, wird es manchmal eng. Darum klingele ich, während ich mich radfahrend Fußgängern nähere, die vor mir laufen. Damit sie nicht im letzten Moment vor Schreck einen Schritt zur Seite springen, genau vor mein Rad. Manche Spaziergänger missverstehen mich und reagieren aggressiv. Von bewusstem sich in den Weg stellen bis in meine Richtung ausgestreckte Walkingstöcke, habe ich schon alles erlebt. 


Dies ist ein Drabble* und es benötigt eine Pointe. Sie wird kommen, wenn ein Radfahrer dich anlächelt, weil du sein Klingeln richtig verstanden hast – als vorsichtige Warnung, um dich nicht zu verletzen. Danke.


© Jo Jansen 2020



Freitag, 7. August 2020

Es ist an der Zeit ...

 ... wieder offline zu gehen. In den letzten Jahren habe ich mich jeweils im August und bis in den September hinein aus den sozialen Netzwerken zurückgezogen. Was beim ersten Mal eher ein Experiment war, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem Bedürfnis. So gern ich mit lieben Menschen über Facebook, Instagram & Co. kommuniziere, so müde bin ich es, mit dummen Menschen zu diskutieren. Sicher ist dumm in diesem Falle relativ, denn manche dieser Leute haben nicht nur studiert, sondern scheinbar auch die Weisheit mit Löffeln gefressen. Nur sie kennen die echte Wahrheit. Ging es im letzten Jahr hauptsächlich um den (nicht vorhandenen!) Klimawandel, so ist es 2020 Covid-19, das die Gesellschaft spaltet. "Millionen" Menschen verkündeten am vergangenen Samstag in Berlin das Ende der Pandemie. Deswegen konnten sie die geltenden Hygieneregeln ja auch ignorieren. Interessant finde ich, dass es sich 2019 und 2020 um dieselben "Erwachten", die einzig wahren Quellen kennenden Menschen handelt, die uns von den Mainstream-Medien gehirngewaschenen Schlafschafen die Welt erklären wollen. 

Während ich mich also weiter zu den Schlafschafen zähle, da ich immer noch freiwillig und aus Überzeugung eine Maske trage, wo Mindestabstand nicht möglich ist, steigen die Zahlen der Neuinfektionen. In Mecklenburg-Vorpommern schließen nur fünf Tage nach Beginn des neuen Schuljahres zwei Schulen wegen Covid-19 infizierter Schüler. 

Es ist Sommer, und da fallen mir viele Dinge ein, die schöner, interessanter und beglückender sind, als mich mit sinnlosen Diskussionen und dem Lesen abstruser Verschwörungstheorien herumzuschlagen. In diesem Sinne, genießt den Sommer - mit Mindestabstand - bleibt gesund und irgendwann im Herbst sehen bzw. lesen wir uns vielleicht wieder.