Dienstag, 27. Oktober 2026

Sie ist wieder da!


Vor ziemlich genau 13 Jahren entstand mein erstes Foto in Beuron, das ich damals noch auf meinem privaten Blog postete. Damit kann ich guten Gewissens behaupten, die erste Bloggerin in Beuron gewesen zu sein. Es folgten viele weitere Beiträge, gern für die Öffentlichkeit bestimmt, hier bei Liselotterie. Geschrieben, gelesen, kommentiert. Wer mag, kann an der Seite im Archiv wühlen ... 
Ab 2020 wurde es ruhiger um Liselotterie, die Posts ab spärlicher, und seit knapp vier Jahren blieben sie ganz aus. Das Schreiben war nicht mehr die Nummer Eins auf meiner Prioritätenliste. Doch nun sprudelt es in meinem Kopf, die Gedanken tanzen und wollen ans Licht, um dort neu geordnet, Wort für Wort und Satz für Satz ihre Leser zu finden. 

Heute las ich im Kalender von DIE ZEIT Was mein Leben reicher macht, die Gedanken eines Mannes, der fast 27 Jahre im Gefängnis saß, ohne Bäume, Blätter und Sterne. Nun war er voller Freude ob der Fülle des Lebens um ihn herum, das Rauschen der Blätter, das Fallen der Eicheln, Begegnungen, Gerüche, Menschen, Freunde ... Leben! Seine überbordende Freude hat mich sehr berührt. Vielleicht sollten auch wir öfter wieder staunen über all die kleinen Wunder, die uns tagtäglich begegnen. 


25. Oktober 2013 - Das Foto schaffte es in meinen ersten Post aus Beuron




Mittwoch, 21. Dezember 2022

Blutprobe

Blutige, ausschließlich linke Fußabdrücke zogen sich von der Dusche bis zum Handtuchhalter. Auf den beige melierten Sandsteinfliesen wirkten die roten Fußspuren filigran, wie kunstvoll drapierte, zarte Stempelabdrücke. Die Spur verlor sich in dem ehemals weißen Frotteetuch, das ich achtlos vor dem Handtuchhalter auf den Boden geworfen hatte. Jetzt wirkte das Duschtuch surreal, wie ein falschfarbener Fliegenpilz – weiß mit roten Punkten. Ich schaute an mir hinab zur linken Achillessehne, von der ein rotes Rinnsal auf den Boden lief. Darüber glänzte babyzart die Haut meiner frisch rasierten Waden. Der neue Damenrasierer hatte ganze Arbeit geleistet. Völlig schmerzfrei, wie die Werbung versprochen hatte. 

©Jo Jansen 20221221


*Das ist wieder ein Drabble (exakt 100 Worte, ohne Mitrechnung der Überschrift.) 




Sonntag, 20. November 2022

Ans Licht

Im dunklen Keller Deiner Seele hockt sie, zusammengekauert wie ein verängstigtes Kind. Sie ruft nach Dir, will wahrgenommen werden. Wie den Strahl einer starken Taschenlampe richtest Du Deinen Fokus auf sie. Der helle Lichtschein wirft ihren Schatten an die Wand im Hintergrund. Riesengroß, ein gefährliches, tanzendes Monster, das Dich zu verschlingen droht. Löse Deinen Blick vom flackernden Schatten. Er ist nicht real. Konzentriere Dich auf die am Boden kauernde kleine Gestalt. Reiche ihr Deine Hand. Nimm sie mit hinaus ins wärmende Sonnenlicht. Vertraue auf Dich. Und aus der kleinen Angst wächst eine große Achtsamkeit gegenüber Dir selbst und Deinen Mitmenschen.




©Jo Jansen 20221120


*Das ist wieder ein Drabble (exakt 100 Worte, ohne Mitrechnung der Überschrift.) 

Montag, 13. September 2021

Hundeglück

Das Bellen des Nachbarshundes fraß sich immer tiefer in meine Gedanken. So konnte ich nicht arbeiten. Zwei Textnachrichten später wusste ich, dass der Besitzer den Tag über unterwegs war, der Hund auf dem Grundstück allein, aber eine andere Nachbarin um 13 Uhr mit ihm spazieren gehen würde. Jetzt war es dreiviertel zehn! Um nicht drei Stunden Hundegebell zu ertragen, ließ ich mir vom Besitzer die Erlaubnis geben und ging mit dem Hund eine lange Runde spazieren. Der Hund war glücklich. Bis ich ihn zurück in Nachbars Garten brachte. Nun bellt er wieder. Hundeglück liegt im Augenblick, nicht davor oder danach.*


©Jo Jansen 20210913


*Das ist wieder ein Drabble (exakt 100 Worte, ohne Mitrechnung der Überschrift.) 


Mittwoch, 24. Februar 2021

Liebeskrank

Ich verstehe, dass du Sehnsucht hast. Der Frühling mit seiner sonnigen Wärme weckt nicht nur die Blümchen, sondern auch die Gefühle in dir und mir. Während ich mir sicher bin, meine große Liebe längst gefunden zu haben, bist du weiterhin und immer wieder auf der Suche. Ich akzeptiere das und wünsche dir Glück. Allerdings fände ich es sehr freundlich, wenn du dabei auf mich und mein Schlafbedürfnis Rücksicht nehmen würdest. Bist du sicher, dass es der richtige Weg ist, mitten in der Nacht nach einer neuen Geliebten zu rufen? Lautstark? Eine halbe Stunde lang? Geht das wirklich nicht anders, Fuchs?




©Jo Jansen 20210224


*Das ist wieder ein Drabble (exakt 100 Worte, ohne Mitrechnung der Überschrift.) 


Donnerstag, 21. Januar 2021

Schrödingers Maus

Aus aktuellem Anlass - Mäuse am Katzenfutter auf unserer Terrasse - hier eine Warnung. Die Mäuse unterstützen die Katzen darin, die Weltherrschaft zu übernehmen. Glaubt Ihr nicht? Dann lest nachfolgendes Drabble* Darunter habe ich einen Artikel der Berliner Zeitung verlinkt, der die Gefahr bestätigt. 

Die Nahrungskette ist klar definiert: Mensch füttert Katze, Katze frisst Maus. Niemals umgekehrt. Sowohl Größenunterschied als auch Lebensweise verhindern dies. Doch still und heimlich rächen sich die Hinterbliebenen der zahllosen Gefressenen an ihren Feinden, die zunächst unbesiegbar scheinen. Wenn beispielsweise die todesmutige Maus an den Fressnapf der Katze schleicht, sich satt frisst und anschließend von der Katze gefressen wird. Vorher hat das Mäuschen jedoch zwischen den Trockenfutterbröckchen im Katzennapf kleine Köddel hinterlassen. Die Maus trug das Bornavirus in sich, das nun die Katze auf ihren „Dosenöffner“ überträgt. Der daran sterben kann. Ermordet von einer Maus, die längst schon tot ist. 


©Jo Jansen 20210121


*Das ist wieder ein Drabble (exakt 100 Worte, ohne Mitrechnung der Überschrift.) 


https://www.berliner-zeitung.de/news/borna-viren-sieben-von-acht-gestorbenen-hatten-eine-katze-li.121382







Mittwoch, 2. Dezember 2020

Small Talk

Er stand lächelnd an der Straßenecke, als würde er auf mich warten. Dunkle Augen leuchteten unter dem Hut hervor, den er ein wenig schief aufgesetzt hatte. Der eisige Wind und der Schneeregen schienen ihm nichts auszumachen.
"Ich bin Knut", stellte er sich vor und ich grinste. Knut mit Hut, dachte ich. Wir unterhielten uns, als würden wir uns schon lange kennen.
"Ich muss los", sagte ich irgendwann, denn ich fror.
"Komm morgen wieder", bat er, blinzelte mir zu, und ich nickte.
Am nächsten Morgen schien die Sonne. Knut war fort. Nur sein Hut lag an der Straßenecke in einer Pfütze. 

©Jo Jansen 20201202


*Das ist wieder ein Drabble (exakt 100 Worte, ohne Mitrechnung der Überschrift.)