Samstag, 5. März 2016

Mia, die Füchsin

Mia, die Füchsin

Hinter Hausen im Tal, ein Stückchen den "Fall" hinauf, lebte eine Fuchsfamilie. Klaus, der alte Fuchs, hatte, wie die meisten männlichen Füchse, drei Gefährtinnen - Lia, Pia und Mia. Mit ihnen paarte er sich jedes Jahr im Januar oder Februar. Im Frühling brachten Lia und Pia jeweils drei bis vier niedliche Junge zur Welt. Doch was war mit Mia, der dritten Füchsin? Ihr blieben die Nachkommen versagt. 

So geschah es, dass Lia und Pia ihre anfangs noch blinden und hilflosen Jungen versorgten, Klaus auf Mäusejagd ging und Mia sich überflüssig fühlte. Im Laufe des Sommers wurden die Fuchswelpen größer. Bald verließen sie tagsüber mit ihren Müttern den Bau, um in der Sonne zu spielen. Manchmal ließ Mia sich von der Unbeschwertheit der jungen Füchse anstecken und balgte mit ihnen fröhlich herum. Spätestens, wenn die müden Jungen sich an ihre Mütter kuschelten, um ein wenig zu dösen, bedauerte Mia, selbst keine Welpen zu haben. 

In einer lauen Sommernacht kam Mia von der Jagd aus dem Wald zurück. Sie war weit gelaufen. Mia freute sich auf die gemütliche Sandkuhle vor dem Bau, im Schatten des großen Haselnussbusches. Dort wollte sie den Tag verschlafen. Um schneller beim Bau zu sein, nahm Mia die Abkürzung am Rande des Dorfes entlang. Ihr Weg führte sie direkt am Grundstück einer jungen Menschenfamilie vorbei. Die Blumenwiese hinter dem Haus reichte bis an den Waldrand. Alles war ruhig, die Menschen schliefen um diese Zeit tief und fest. Mia blieb stehen und sah zu dem Haus hinüber. Auf der Terrasse hatte sie schon einmal ein Stück kaltes Fleisch gefunden, das einem der Kinder der Familie unter den Tisch gefallen war. In der Hoffnung, auch heute wieder einen Leckerbissen zu entdecken, schlich Mia näher. Die Blumen wuchsen so hoch, dass sie Mia Deckung gaben, für den Fall, dass doch einer der Menschen auftauchen sollte. Prüfend sog Mia die Luft ein und witterte in Richtung Haus. Noch lag kein Fleischgeruch in der Luft und doch ... 

Ein anderer Duft stieg ihr in die Nase. Die Füchsin blieb stehen und versuchte einzuordnen, was sie wahrnahm. Mia witterte etwas Tierisches, jedoch kein verlockendes, blutiges Aroma frischen Fleisches. Nein, es war gar kein Fleisch, trotzdem eindeutig Tier. Und Mensch? Mia schwankte zwischen Verwirrung und Neugier. Sollte sie flüchten oder nachsehen? Die Neugier siegte. Die Füchsin duckte sich noch ein wenig tiefer in die Blumenwiese und schlich näher. Sie wusste, sie konnte sich in erster Linie auf ihren Geruchssinn, dann auf ihr Gehör und zuletzt auf ihre Augen verlassen. Im nächsten Moment vergaß sie dieses Wissen, ließ Gehör und Geruch außer Acht und starrte wie gebannt auf die Bretter der Terrasse. Dort, wo die Menschen in ihren Bau hineingingen, leuchteten zwei kleine, rötliche Dinger im fahlen Mondlicht. Mia wollte einfach glauben, dass es zwei Fuchswelpen waren, wie ihre Augen ihr vorgaukelten. Mit einem eleganten Satz landete sie auf der Terrasse und packte eines der beiden roten Wesen vorsichtig mit ihrem bereits im Sprung geöffneten Maul. Wie ein Poing-pong-Ball nutzte die Füchsin den Schwung des Ansprungs, drehte sich in der Luft herum und war sofort wieder in der Deckung der Blumenwiese verschwunden. 

Vorsichtig und stolz zugleich trug Mia ihre Beute im Maul, als sie sich dem Fuchsbau näherte. Der Morgen dämmerte bereits, Pia und Lia saßen mit ihren Jungen in der Sandkuhle vor dem Bau und warteten auf Klaus. Mia huschte an ihnen vorbei und verkroch sie tief unten im Fuchsbau in einer Höhle, die früher der Dachs bewohnt hatte. Langsam setzte die Füchsin ihre Beute ab. Sie beschnüffelte ihren Fund von allen Seiten und fand den ersten Eindruck bestätig. Es roch nach Tier und Mensch. Nicht nach Fuchs. Noch nicht ... Liebevoll begann die Füchsin, ihre Beute abzulecken. Wieder und wieder, von allen Seiten, bis ihr eigener Geruch begann, die fremde Ausdünstung zu überdecken. Ich nenne dich Max, dachte sie. Dann rollte sie sich zufrieden zusammen, fast wie eine Kugel, mit Max in ihrer Mitte. 

In den nächsten Tagen behandelte Mia ihren Max wie andere Füchsinnen ihre frisch geborenen Welpen. Sie leckte ihn, trug ihn umher und bewachte ihn eifersüchtig vor den anderen Füchsen. Niemand durfte ihm zu nahe kommen. Das ging fast einen Monat so, dann wurde Mia unruhig. Normalerweise verlassen Fuchswelpen im Alter von drei bis vier Wochen erstmals den Bau, um draußen zu spielen. Max wollte nicht nach draußen und er sah auch nicht aus, als ob er spielen wollte. So machte sich Mia eines Nachts erneut auf den Weg zum Dorf, schlich am Rande der Gärten entlang, alle Sinne geschärft auf der Suche nach einer bestimmten Beute. Dieses Mal kehrte sie mit einem größeren, dunkleren Etwas zurück. Lange Schnüre hingen an den Seiten herunter und tanzten im Rhythmus von Mias Schritten, während sie glücklich dem Fuchsbau zueilte. Pax, wie sie ihn nannte, wurde genau wie zuvor Max einen Monat lang von Mia liebevoll umsorgt. Dann legte die Füchsin Pax zu Max in eine kleine Seitenhöhle und lief des Nachts wiederum ins Dorf. Bald schon kehrte sie mit Ela zurück. Ela war anders als Max und Pax. Ihr Körperbau war schlank und elegant geschwungen. 


Von nun an hatte Mia eine Aufgabe. Alle vier Wochen holte sie sich einen der Schuhe, die von den Dorfbewohnern draußen auf der Terrasse, im Garten oder vor der Haustür stehen gelassen worden waren. Die Füchsin war nicht wählerisch. Egal, ob roter Kinderstiefel, schwarzer Herrenschuh, eleganter Damenpumps oder schlammverkrusteter Joggingschuh - bei Mia bekam jeder Schuh seine Chance auf ein neues Leben im Fuchsbau. Jedoch holte Mia immer nur einen Schuh pro Paar, als wollte sie gerecht mit den Menschen teilen. Wann Mia das letzte Mal auf Beutezug war, fragst du? Das dürfte jetzt ungefähr einen Monat her sein ... 

©Jo Jansen 2016 Auszug aus dem Buch mit dem Arbeitstitel "Donautalgeschichten" 



Dienstag, 1. März 2016

Frühling?

Der heutige Tag schmückt sich mit dem hoffnungsvollen Titel "Meteorologischer Frühlingsanfang". Und dann DAS:



Dieser Anblick genügte, um die wiehernden Rosse der Poesie mit mir durchgehen zu lassen:


Der März ist da!
Kam ganz in Weiß.
Ich will Blümchen
und nicht so'n Sch...nee!


Ich weiß, das unter dem Schnee schon die Krokusse, Winterlinge und Schneeglöckchen blühen. Bis gestern konnte man sie noch sehen. Und wie sieht es bei Euch aus?

Dienstag, 15. Dezember 2015

Schwarzes Loch

Irgendwo da draußen muss es Schwarze Löcher geben. Und mit da draußen meine ich nicht in den Tiefen des Weltalls sondern mitten in Europa, in Deutschland. Das Zentrum mindestens eines Schwarzen Lochs scheint über dem Schwabenland zu liegen. Anders als bei den Weltall-Schwarzen-Löchern verschwinden hier natürlich keine ganzen Planeten. Dafür aber Päckchen und ... Menschen! Die Päckchen fressenden Schwarzen Löcher sind sozusagen die erste Stufe. Man sendet jemandem ein Päckchen, es kommt angeblich nie an und irgendwann ist auch der Empfänger verschwunden. Wahrscheinlich dehnt sich das Schwarze Loch durchs Päckchenfressen aus, wird stärker, seine Sogkraft größer und schwups ist es ein Schwarzes Loch der zweiten Stufe, in das auch der Adressat des Päckchens hineingesogen wird. Man hört nie wieder von ihm. Jetzt bin ich echt am Grübeln, ob ich die Weihnachtspäckchen in diesem Jahr überhaupt abschicken und meine Lieben dadurch in Gefahr bringen soll ... 

Eine andere Form der Schwarzen Löcher ist auf Handwerker spezialisiert. In dem Moment, wo man die Firma um ein Angebot bittet, bekommt das Handwerker-Schwarze-Loch Macht über sie. Es beginnt, am Meister persönlich zu zerren und zu ziehen. Kluge Handwerker sind sich der Gefahr bewusst. Sie nehmen maximal beim Kunden die Maße auf, erstellen eventuell noch das Angebot, geben aber keinen Durchführungstermin an, egal, wie oft der Kunde darum bittet. Dass dies aus Sicht des Handwerkers reiner Selbstschutz ist, habe ich nun endlich begriffen. Zu spät für Meister S. Den habe ich nämlich VIER Wochen lang unermüdlich angerufen, um endlich auf Grund eines von ihm mit viel Aufwand erstellten Angebots einen Termin zur Abwasserrohrsanierung zu bekommen. Es tut mir wirklich leid, dass ich den Meister damit in den alles verzehrenden Schlund des Schwarzen Lochs getrieben habe. Heute um 8:30 Uhr wäre der Termin gewesen, die Arbeiten sollten den ganzen Tag dauern. Natürlich habe ich vergeblich gewartet. Dem Schwarzen Loch entkommt NIEMAND! Muss ich noch erwähnen, dass Meister S. auch telefonisch nicht erreichbar ist, weder auf Handy, noch auf Festnetz? Das ist logisch, denn innerhalb Schwarzer Löcher funktionieren keine Kommunikationsnetze. Oder hat Euch schon mal jemand aus einem Schwarzen Loch angerufen? 


Dienstag, 17. November 2015

Diesen Mops mag ich nicht mehr!

Bis vor Kurzem habe ich gern Bücher, die neu vergriffen oder mir zu teuer waren, gebraucht bei(m) Medimops gekauft. Der Name klang witzig, die Lieferung erfolgte immer umgehend, die Qualität war wie angegeben, und fast immer bot der Mops die Bücher günstiger an als andere Anbieter. 

Seit gestern mag ich diesen fetten Mops nicht mehr. Warum? Gestern habe ich selbst ein paar Bücher gebraucht zum Verkauf angeboten, weil ich Platz brauche im Bücherregal. Um sie schnell loszuwerden, schaute ich, was der günstigste Preis ist, zu dem sie gebraucht zu haben sind und bot etwas billiger an. Dumm nur, dass ich damit wohl dem bisher billigsten Anbieter auf die pummeligen Mopspfoten getreten bin. Ich stelle mir vor, dass er einmal kurz wütend gebellt hat, bevor er die Preise bei allen betroffenen Büchern so nach unten korrigierte, dass er nun wieder ganz oben in der Liste der günstigen Anbieter steht. Auf einen Preiskampf mit der dicken Töle lasse ich mich nicht ein. Bestimmt nutzt er einen Automatismus, der gegen Null tendieren würde. Aber eins ist sicher: Ich werde künftig lieber 10 oder 11 Cent mehr ausgeben und dem zweit- oder drittgünstigsten privaten Anbieter sein Buch abkaufen! 

P.S. Falls Ihr jetzt neugierig geworden seid, welche Bücher und CDs ich denn gern loswerden möchte, dann schaut doch mal hier:

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Diesen süßen Mops mag ich. Er zeigt dem fetten (Medi-)Mops, was ich von ihm halte.

Freitag, 13. November 2015

Novembuli

Heute ist Freitag, der 13.  - mitten im November. Moment mal, November? Nebelgrauer Totenmonat? Trübe Tage ohne Sonne? In dicken Winterjacken frieren? Schals und Mützen wieder herausholen? Die Natur trüb und grau wie das Wetter? 

Das hier sind Bilder der vergangenen Tage:


 Blumen blühen am Wegesrand

 Morgennebel über der Donau

 Raureif am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen ....


 Sonntagsfrühstück draußen im Sommerkleid

Fahrradtour mit dem Liebsten. Leider waren die Restaurants am Wegesrand entweder wegen Urlaub geschlossen oder übervoll. Beim dritten Versuch kamen wir endlich hinein - und bekamen nur noch Getränke, kein Essen mehr. 

Mittagspause barfuss am 11. November. Das haben wir uns in vergangenen Jahren beim St. Martins Umzug schon Eisfüße geholt. 

Aus all diesen Gründen bin ich dafür, den gegenwärtigen Monat Novembuli zu nennen. Denn das Wetter ist zeitweise viel besser als im Juli 2014. 

Donnerstag, 5. November 2015

Relativitätstheorie

Seit wenigen Wochen haben wir einen Plattenspieler. Die jahrelang sorgsam gehüteten Schallplatten, die bei jedem Umzug mitkamen, obwohl gar kein Abspielgerät mehr vorhanden war, werden nun nach und nach wiederentdeckt. So manche Platte hat ihre Geschichte ... 
Zum Beispiel erstand ich die LP von Jennifer Rush im Frühjahr 1987 in Rostock. Solche Lizenzplatten waren eine Seltenheit in der DDR, der Vorrat  begrenzt, die Schlange der Wartenden lang. Dank Erik, der im August desselben Jahres auf die Welt kam, durfte ich mit meinem Kugelbäuchlein vorgehen. Viele LPs sind "Made in Bulgaria". Dort gab es anscheinend genug Lizenzplatten, um auch den Bulgaren-Laden in Rostock damit zu beliefern, wo ich regelmäßig vorbeischaute und fündig wurde.

Eine Sache allerdings jagte mir und Mr. J einen richtigen Schrecken ein: Die jung gewordenen alten Männer auf den Plattencovers  Waren doch Leonhard Cohen, Simon & Garfunkel, Peter Gabriel, die Jungs von Queen und erst recht Demis Roussos damals in unseren Augen "alte Leute" und sahen auch auf den Plattencovers so aus. Wie kommt es, dass sie uns heute vom selben Cover ganz unverschämt und jünger als wir entgegen grinsen? Das Ganze wird noch getopt durch die "Erbstücke", die wir mit unserem Haus von den Vorbesitzern übernahmen. Darunter sind Perlen wie James Last & Co. Ihr werdet es erraten - auch sie sehen jünger aus als wir. 

Ich bastle noch an einer allgemeingültigen Formel für meine Relativitätstheorie des Alters. Erste These:
Eigenes Alter = √∞ : Alter des Plattencovers + Simon - Garfunkel



Freitag, 30. Oktober 2015

Ausweichlektüre

Gestern brachte ich unser Auto in die Werkstatt. Es war ein vorher ausgemachter Termin zur fälligen Inspektion, der etwa zwei Stunden dauern sollte. Da es regnete und die Werkstatt nicht bei uns im Ort ist, ließ ich Rika zuhause und wollte mir stattdessen ein Buch mitnehmen und mich neben der Werkstatt in ein gut besuchtes, gemütliches Café setzen, wo die Tische ziemlich eng beieinander stehen. Es gab nur ein klitzekleines Problem: Das Buch, das ich momentan lese, ist ein recht spezielles Sachbuch, noch dazu mit vielen wirklich schönen Fotos ausgestattet. Ich stellte mir vor, wie von den Tischen rechts und links von mir verstohlen herübergelinst würde, um einen Blick auf meine Lektüre zu erhaschen. Nee, dieser Gedanke behagte mir nicht. So kann ich nicht entspannt lesen. Also wählte ich ein anderes Buch, "Blinde Vögel" von Ursula Poznanski. Eine gute Wahl, wie sich bald herausstellte. Mich fesselte der Krimi sehr, dessen Nebenhandlung an  "Fünf" anknüpft. Aber niemand rechts oder links interessierte sich dafür, was ich lese.

Nun wollt Ihr sicher wissen, welches Buch stattdessen zuhause bleiben musste? Okay, hier ist es. Mal ehrlich, würdet Ihr das in der Öffentlichkeit lesen?